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26.9.2017 : 5:53 : +0200

Veranstaltungshistorie: Details

Feinstoffliche Krper in den Weltkulturen

J.J. Poortman und der "Hylische Pluralismus" von Marco Bischof, Berlin

Die Vorstellung von der Existenz feinstofflicher Materie knnte sich als ein wesentlicher Schlssel fr eine ganzheitliche, das Spirituelle einbeziehende Wissenschaft erweisen. Zu diesem Schluss kommen heute immer mehr integrale Denker. Der Autor Marco Bischof prsentiert den ersten modernen Philosophen, der sich wissenschaftlich mit dem Konzept der Feinstofflichkeit befasst hat: den fast in Vergessenheit geratenen hollndischen Theosophen Prof. Dr. J.J. Poortman.


So faszinierend die Vorstellung feinstofflicher Lebensformen ist, so sehr berrascht es, dass sich bislang immer noch relativ wenige diesem Thema in ernst zu nehmender Weise gewidmet haben. Einer von ihnen ist der hollndische Philosoph Johannes Jacobus Poortman (1896-1970). Sein einzigartiges Werk ist bis jetzt Geheimtipp geblieben, es deutet sich aber an, dass es schon bald eine wichtige Rolle spielen drfte. So betonte der "Vater der Human-Potential-Bewegung" Michael Murphy - Grnder des Esalen-Instituts in Kalifornien und Autor des Buches "Der Quantenmensch" - erst krzlich die grundlegende Bedeutung von Poortmans Schriften fr Fragen ber das Leben nach dem Tod oder ber das Wesen unserer krperlichen Manifestation insgesamt. Auch der Vordenker der neuen Integralen Wissenschaft, Ken Wilber, weist auf seiner Website auf Poortman hin.

Jenseits des Materiellen
Die auergewhnliche Bedeutung von Poortmans Hauptwerk "Vehicles of Consciousness" (englische Ausgabe von 1978, die Erstausgabe "Ochema" erschien 1958-67), liegt in der Erkenntnis, dass es neben der soliden, fassbaren Materie eine Reihe weiterer, feinstofflicher Arten von Materie gibt. Poortman zeigt mit einer ausfhrlichen historischen Darstellung der Vorstellungen von feinstofflichen Krpern in den Weltkulturen, dass solche Konzepte - er nennt sie zusammenfassend den Hylischen Pluralismus - zu allen Zeiten und in vielen Kulturen eine wichtige Rolle im Denken der Menschheit gespielt haben. "Ochema" bedeutet in der neuplatonischen Philosophie "Gefhrt" oder "Vehikel". Der hollndische Philosoph verwendet diesen Begriff, um auf die bedeutende Rolle feinstofflicher Materie innerhalb des menschlichen Organismus hinzuweisen. Das Wort "Hyle" ist die altgriechische Bezeichnung fr Materie. "Hylischer Pluralismus" steht fr die Erkenntnis, dass "die Welt nicht nur aus Materie besteht, die fr unsere Sinne direkt wahrnehmbar ist, sondern auch aus einer Reihe von Formen subtilerer Materie, die als Vehikel eines nichtmateriellen, beseelenden Bewusstseins dienen".

Trennung von Innen und Auen
Es ist eine der grundlegendsten Annahmen der westlichen Kultur, dass die Welt und der Mensch einerseits aus rumlich ausgedehnter Materialitt ohne psychisch-geistige Eigenschaften (die als einzige objektive Realitt empfunden und ausschlielich der "Auenwelt" zugewiesen wird) und andererseits aus dem Geist bzw. der Psyche / dem Bewusstsein, denen keine rumliche Ausdehnung und Materialitt zugeschrieben und die in die "Innenwelt" verwiesen werden, besteht. Dieser so genannten "kartesische Schnitt" ist nach Poortman die Grundlage des "monistischen Materialismus", nmlich der Auffassung, dass nur eine Art von Materie existiert, und zwar die gewhnliche, grobstoffliche Materie, wie sie von den Naturwissenschaften studiert wird. In diesem Weltbild haben Psyche, Seele, Bewusstsein usw. keine eigene Existenzberechtigung, sie gelten als bloe Begleiterscheinungen der materiellen Prozesse ("Trume sind Verdauungsprozesse des Gehirns", usw.).

Von der Substanz geistiger Prozesse
Dem stellt Poortman eine andere Form des Materialismus entgegen, nmlich den in der Philosophie bereits bekannten "dualistischen Materialismus". Damit ist die Auffassung gemeint, dass zwar alles materieller Natur ist, dass es aber neben der gewhnlichen, groben Materialitt unserer Naturwissenschaft noch einen zweiten Typ von Materie, nmlich "feinstoffliche Materie" gibt, die vor allem in Lebewesen von groer Bedeutung ist. Poortman erschien der Begriff des "dualistischen Materialismus" allerdings immer noch zu eng. Er wollte ber die Schulphilosophie seiner Zeit hinausgehen, indem er die Idee einer "zweifachen Krperlichkeit", d.h. einer Koexistenz von grober und feiner Krperlichkeit, mit der Auffassung ergnzte, dass es neben den zwei Materiekategorien noch eine tiefste Realitt spiritueller Natur gibt.

Zeit fr ein neues Weltbild
Poortman unterscheidet aufgrund des in seinem Buch zusammengetragenen Materials sechs verschiedene mgliche Typen metaphysischer Standpunkte. Diese bewegen sich zwischen den beiden Polen der Annahme einer ausschlielich materiellen Realitt mit nur grobstofflicher Materie einerseits und dem Standpunkt, dass Materie berhaupt nicht real ist und nur Psychisches oder Spirituelles existiert:

  1. alle Realitt ist materiell, es gibt nur gewhnliche Materie
  2. es gibt zwei Arten von Materie, aber keine immaterielle Realitt
  3. alles auer Gott ist materiell, auch die Seele
  4. die Seele ist immateriell, bentzt aber feinstoffliche Vehikel, speziell nach dem Verlassen des physischen Krpers beim Tod
  5. Materie und Geist sind vollkommen getrennte Realitten (dies ist der in unserer Kultur gngige Standpunkt, der in absoluter Gegnerschaft zum Hylischen Pluralismus steht)
  6. alle Realitt ist spirituell oder psychisch, Materie ist nicht real

Mit diesen Kategorien bercksichtigt Poortman die philosophischen Weltbilder aller Weltkulturen und stellt die Annahme feinstofflicher Materieformen als eine legitime Mglichkeit auch des westlichen Denkens dar. Bemerkenswert an Poortmans Philosophie ist, dass sie durch das Konzept des Hylischen Pluralismus eine optimale Grundlage fr einen wissenschaftlichen Zugang zur Welt liefert, der alle Aspekte der Realitt, vom physikalisch-biologischen bis zu den parapsychologischen und mystisch-spirituellen, umfasst. Poortmans Philosophie knnte somit eine wichtige Brckenfunktion innerhalb der naturwissenschaftlichen Disziplinen bekommen und diese auch fr die Dimensionen jenseits des blo (Grob-)Materiellen und Biologischen ffnen, so wie dies z.B. in der Biophysik oder der modernen Lebensenergieforschung bereits geschieht.

Poortman aktuell
Innerhalb der "Berliner Integralen Gesprche" wird Prof. Dr. Peter Meyer-Dohm zur Bedeutung Poortmans referieren. Er hat an der Herausgabe der englischen Fassung von "Ochema" mitgewirkt. Peter Meyer-Dohm war u.a. Rektor der Ruhr-Universitt Bochum und Leiter des Zentralen Bildungswesens / Personalentwicklung der Volkswagen AG. Seine Beschftigung mit der Arbeit Poortmans geht zurck auf lebenslanges Interesse an Spiritualitt, inbesondere in theosophischer und indischer Ausprgung, und die persnliche Bekanntschaft mit Poortman.


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