Die Psychologie des reifen menschlichen Wesens ist ein sich entfaltender, schwingender, spiralförmiger Prozess, gekennzeichnet durch die fortschreitende Unterordnung älterer Verhaltenssysteme niederer Ordnung unter neue Syteme höherer Ordnung, während die existentiellen Probleme eines Individuums sich verändern. Jede der aufeinanderfolgenden Stufen, Wellen oder Seinsebenen ist ein Zustand, den Menschen auf ihrem Weg zu anderen Seinszuständen durchlaufen. Ist der Mensch auf einen bestimmten Seinszustand zentriert, dann besitzt er die Psychologie, die für diesen Zustand spezifisch ist.
Die umfassende Theorie von Clare W. Graves findet man in dem hervorragenden Buch von Christopher C. Cowen & Natascha Todorivic:
Clare W. Graves
Explores Human Nature
THE NEVER ENDING QUEST
ELECT Publishing
Sant Barbara, 2005
modifiziert nach C.W.Graves
Zick-Zack Bewegung der Memes
© ISBerlin 2009
Alle Ebenen der Komplexität
© ISBerlin 2009
Spiral Dynamics
ist eine Entwicklungstheorie,welche beansprucht die tieferen Codes des menschlichen Seins zu enthüllen (Beck & Cowan, 2007).
Das Modell beschreibt die Dynamik dieser Tiefenstrukturen, welche spiralförmig immer komplexere Ebenen ausbilden und sich stetig weiter entwickeln.
Die Strukturen werden als Werte Memes kurz wMeme (von value-Memes), bezeichnet und
umschreiben komplexe, anpassungsfähige, kontext-abhängige Intelligenzen, die in Reaktion auf die Umstände und Herausforderungen unseres Lebens entstehen (Beck & Cowan, 2007).
Der Begriff der Meme stammt ursprünglich von Dawkins (1994) und bezieht sich neben den Genen auf einen Replikator, der sich kulturell „fortpflanzt“. Beck (2001) erweiterte SD außerdem mit Hilfe des Integralen Ansatzes nach Wilber (2000) zu Spiral Dynamics integral (SDi). SDi versucht insbesondere die dynamischen Beziehungen zwischen den verschiedenen Perspektiven, Ebenen und Linien der Entwicklung aus einer systemischen, selbst auch weiter evolvierenden Perspektive zu beschreiben. Außerdem bezieht sich das Adjektiv integral auf die höheren, komplexeren wMeme bzw. Existenzebenen.
Diese tauchen bisher - als adaptive Intelligenzen im Menschen – noch relativ selten, meist nur zu bestimmten Anteilen auf.
Nach Graves (1974) beschreiben die ersten sechs Wertesysteme Ebenen des Überlebens, während die darauf folgenden Systeme Ebenen des Seins sind. Diese sind eher wachstumsorientiert (Maslow, 1954) und stellen eine Wiederholung der ersten Ebenen in einem so genannten zweiten Rang (Second Tier) Bewusstsein dar. Während keines der sechs wMeme des ersten Ranges (First Tier) die Existenz der anderen wMeme in vollem Sinne wertschätzen kann, d. h. die Werte vieler anderer Menschen zum Teil völlig unverständlich bleiben oder ganz abgewertet werden, ist es in einem Second Tier Bewusstsein erstmals möglich den Wert aller Wertesysteme bewusst zu erkennen und zu würdigen.
Debatten zwischen Menschen mit Werten der First Tier Ebenen finden selten eine Lösung, meistens fühlt sich keine der Parteien wirklich gehört und wertgeschätzt (Wilber, 2001). Wilber (so wie Beck) geht davon aus, dass dies solange der Fall ist „bis das Individuum bereit ist, sich weiter durch die dynamische Spirale der Evolution des Bewußtseins hindurch zu entwickeln“ (Wilber, 2001, S. 256). Daher wiederum suchen „Denker des zweiten Ranges“ nach Möglichkeiten „die Spirale in Bewegung zu setzen“ (ebd.), d. h. die verschiedenen Wertesysteme in uns zu aktivieren und zu integrieren (Beck, 2004). Ausgehend von der Erkenntnis, dass all diese Werteebenen Arten menschlich zu sein darstellen und die Spirale in der Person wirkt, ist es von entscheidender Bedeutung, dass all diese Systeme in Resonanz, d.h. in einer gesunden Version aktiv und offen für Weiterentwicklung sind, wenn es die Lebensbedingungen erfordern.
Nach Beck (2004) ist die Unterstützung dieser Werteerkenntnis und -erfahrung erstmals von Bedeutung für jene Menschen, in denen die wMeme des zweiten Ranges aktiv sind, und daher auch deren Aufgabe. Er selbst engagiert sich seit mehreren Jahrzehnten dafür als Berater in Krisengebieten dieser Erde und bietet Fortbildungen in SDi an, die insbesondere Manager und Führungskräfte ansprechen. Außerdem entwickelte er Tests und initiierte groß angelegte Projekte, die die Ausprägung der Wertesysteme auf kultureller und nationaler Ebene abbilden sollen und damit wertvolle Werkzeuge für Entscheidungsträger sind.
Im deutschsprachigen Raum gibt es auch schon eine Menge Menschen, die sich in SDi fortbilden ließen und dieses Modell in ihrer beruflichen Praxis implizit oder mit Hilfe von SDi – Instrumenten anwenden.
© ISBerlin 2009











