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6.2.2012 : 0:37 : +0100

Holon Theorie

Die größte Schwierigkeit praktisch aller Versuche die gemeinsamen Grundmuster aller drei Evolutionsbereiche (anorganisch, biologisch und psychosozial) aufzuzeigen, liegt in der Darstellungsweise,

nämlich in den Sprachen :
  • "Es" – Sprache (objektiven Naturalismus) oder "Das Wahre"
  • "Ich" – Sprache (Ästhetik) oder "Das Schöne"
  • "Wir" – Sprache (Ethik) oder "Das Gute"

Die Wirklichkeit besteht nicht aus Dingen oder Prozessen und nicht aus Atomen oder Quarks; sie ist weder aus Ganzen zusammengesetzt, noch hat sie irgendwelche Teile. Sie besteht vielmehr aus Ganzen/Teilen, aus Holons. Das gilt für Atome, Zellen, Symbole und Ideen.

Sie sind weder als Dinge noch als Prozesse zu verstehen, weder als Ganze noch als Teile, sondern nur als Ganze und Teile zugleich.

Aufwärts und abwärts, unbeschränkt:

  • Nichts existiert, was nicht ein Holon wäre.
  • Bevor ein Atom Atom ist, ist es ein Holon.
  • Bevor eine Zelle Zelle ist, ist sie ein Holon.
  • Bevor eine Idee Idee ist, ist sie ein Holon.

Sie alle sind Ganze, die in anderen Ganzen existieren, und daher zuerst und vor allem Ganze/Teile oder Holons sind.

Die Wirklichkeit könnte in der Tat eher aus Prozessen als aus Dingen bestehen, aber auch alle Prozesse existieren in anderen Prozessen, sind also ausnahmslos Holons.

Die Frage, ob Dinge oder Prozesse die Grundbestandteile der Wirklichkeit sind, ist so lange gegenstandslos, wie wir nicht sehen, dass es sich auf jeden Fall um Holons handeln muss und die Ausrichtung auf entweder Dinge oder Prozesse viel zu kurz greift.

Freilich gibt es Dinge, freilich gibt es Prozesse, aber sie sind ohne Ausnahme Holons.


Es folgen zunächst zwanzig Grundaussagen (oder Schlussfolgerungen), die für etwas stehen, was Wilber »Existenzmuster« oder »Evolutionstendenzen« oder »Gesetze der Form« oder »Ausdrucksneigungen« nennt

Das sind Muster oder Tendenzen, die nach Auffassung der modernen Systemwissenschaften in allen drei Bereichen der Evolution - Physiosphäre, Biosphäre und Noosphäre -wirksam sind.

Diese Grundsätze sind in einem Abstraktionsgrad abgefasst, die allen drei Ausdrucksebenen - der Es-, der Wir- und der Ich-Sprache oder dem Wahren, Guten und Schönen -gleich nahe stehen.

Die zwanzig Grundsätze der Holons

1.     Die Wirklichkeit insgesamt ist nicht aus Dingen oder Prozessen zusammengesetzt, sondern aus Holons.
2.     An Holons sind vier Grundvermögen zu erkennen: Selbsterhaltung, Selbstanpassung, Selbsttranzendenz und Selbstauflösung.
3.     A) Agenz : Selbsterhaltung/ Selbstbsehauptung/ Assimilationstendenz
4.     B) Kommunion : Selbstanpassung / partizipatorische Tendenz
5.     C) Selbsttranzendenz /Selbsttransformation
6.     D) Selbstauflösung / Selbstimmanenz
7.     Holons emergieren
8.     Jedes emergierende Holon transzendiert und inkorporiert seine Vorläufer
9.     Das Niedrigere setzt die Möglichkeiten des Höheren, das Höhere setzt die Wahrscheinlichkeiten des Niedrigeren.
10.     Die Anzahl der Ebenen einer Hierarchie bestimmt, ob sie seicht oder tief ist; die Anzahl der Holons einer Ebene werden als ihre Spanne bezeichnet.
11.     Jede weitere Stufe der Evolution erzeugt größere Tiefe und geringere Spanne. Je größer die Tiefe eines Holons, desto größer der Grad seines Bewusstseins (Evolution führt nicht zum Größeren und Besseren, sondern zum Kleineren und Besseren.)
12.     Zerstöre irgendeine Holonart, und du vernichtest damit alle höheren Holons, aber keine niedrigeren.
13.     Holarchien koevolvieren bzw. tetraevolvieren.
14.     Mikro und Makro stehen auf allen Ebenen in Beziehung und Austausch miteinander.
15.     A) Evolution hat Richtung
16.     B) Zunehmende Komplexität
17.     C) Zunehmende Differenzierung / Integration
18.     D) Zunehmende Organisation / Strukturierung
19.     E) Zunehmende relative Autonomie
20.     F) Zunehmendes Telos (Ausrichtung )

Auf diese Grundaussagen kann hier im Einzelnen zunächst nicht eingegangen werden, weil dies in dem hier gesetzten Rahmen zu weit führen würde.

Das Thema Holon wird hier auf der Basis der Struktur Ken Wilbers dargestellt, der die vier Holontypen an Hand von 5 Kategorien erläutert:

Holontypen:

  • Empfindsame Holos : Individuelle und Soziale
  • Nicht-Empfindsame Holons: Artefakte und Haufen

5 Kategorien:

  • Bewusstsein
  • Ganzes/Teil
  • Agenz/Kommunion
  • Hierarchie
  • Größe