Sie sind hier: Studien > AQAL > Holon Theorie > Soziale Holons
DeutschEnglishEspanol
6.2.2012 : 0:38 : +0100

Soziale Holons

Bewusstsein

  • Soziale Holons sind ebenfall empfindsame Holons.
  • Sie haben jedoch haben kein ortbares Innen.
  • Sie haben ein „nicht-ortbares“ „verteiltes“ Bewusstsein oder „Inter-subjektivität“.
  • Es gibt kein zentrales Subjekt des Gewahrseinseins.
  • Gruppen haben kein subjektgebundenes Aufnahmevermögen oder eigenes Agenz aus dem einfachen Grunde, weil ihre „Teile“ Mitglieder und nicht untergeordnete Elemente sind.

Es gibt z.B. ein „Gruppen-Ego“, aber dieses ist nicht eine Einzeleinheit, die all ihre Mitglieder in demselben Maße kontrolliert, wie mein Ego willkürliche Bewegungen meines Armes kontrolliert. Das „Gruppen-Ego“ – oder intersubjektive Bewusstsein, oder der kulturelle Hintergrund, oder Unten-Links- Quadrant – übt seine Einfluss auf eine diffuse und subtile Art aus, indem es einen bestimmten Hintergrund bzw. einen intersubjektiven Raum für individuelle Subjekte und Objekte schafft, indem sich die individuellen Subjekte relativ frei bewegen können.

Merke: das führende Muster von individuellen und sozialen Holons sind in ihrer Art und in ihrem Grad unterschiedlich.

Ganzes und Teil

  • Soziale Holons sind zusammengesetzt aus einer Vielzahl von individuellen Holons, Artefakten, und Haufen. Sie haben kein einheitliches Außen.
  • Sie sind kollektive oder „Makro“- Holons.
  • Die individuellen Holons sind „Teile“ der Gesellschaft, nicht als konstituierende Elemente des Ganzen, sondern als Mitglieder des entsprechenden Ganzen.

Das heißt, dass „Teil“ bei individuellen Holons Bestandteil oder konstituierendes Element meint, aber bei sozialen Holons bezeichnet „Teil“ Mitgliedschaft, Co-Partnerschaft, Mitmensch, Teilhaber.

Der Unterschied ist offensichtlich, doch um es klar zu machen: konstituierende Elemente haben ihr Agenz denen der Senior-Holons untergeordnet, während die Mitglieder innerhalb eines sozialen Holons ein viel höheres Maß an relativer Autonomie bewahren.

Zum Beispiel, wenn ich meinen Kopf hebe, bewegen sich 100% der Zellen meines Kopfes ebenfalls mit. Mein Wille setzt sich über den Willen der Zellen hinweg. Wenn ich meinen Arm hebe, kann keine Zelle sich dagegen entscheiden.

Aber es gibt keine Gesellschaft, in der 100% ihrer Mitglieder genau das tun, was die Führer der Gesellschaft sagen. Selbst in einer starken Diktatur kann sich jeder gegen das Regime entscheiden, selbst dann, wenn er möglicherweise dafür erschossen wird.

Der Grund dafür liegt darin, dass ein soziales Holon kein eigenes ortbares Bewusstsein hat, und daher die führende an sich nur begrenzte Macht hat.

Tatsächlich verurteilen wir sogar Gesellschaften, in denen eine Person oder eine Körperschaft versucht zu dominieren und die Gesellschaft zu kontrollieren, und dies bedeutet, dass die kontrollierende Körperschaft versucht das soziale Holon wie ein individuelles Holon zu führen. („L`etat, c`est moi“).

Diese Verwechslung von individuellen und sozialen Holons ist ganz normal in den Systemtheorien und in den Ökotheorien.

Diese konstruieren ihre aufeinander aufbauenden Hierarchien, indem sie individuelle und soziale Holons auf dieselbe ontologische (wesensbestimmte) Achse bringen.

Dabei ist eine Seinsform einfach Größer als die andere, ohne den bedeutenden ontologischen Unterschied zwischen ihnen zu realisieren.

Daher ist die typische Öko- bzw. Systemtheorie- Hierarchie folgende: Ein Atom ist Teil eines Moleküls, dies wiederum Teil einer Zelle, diese Teil eines Organismus, dieser Teil eines Ökosystems, dieses Teil der Biosphäre und diese Teil des Universums.

Falsche Hierarchie:

  • Atom
  • Molekül
  • Zelle
  • Organismus
  • Ökosystem
  • Biosphäre
  • Universum

Die erste Hälfte der genannten Hierarchie besteht aus individuellen Holons, die andere Hälfte besteht aus sozialen Holons.

„Ganzes“ und „Teil“ bedeutet in beiden Fällen etwas Grundverschiedenes.

Ein individuelles Holon, sei es eine Zelle, ein Wolf, ein Affe oder ein Mensch, zu einem konstituierenden „Teil“ eines sozialen Holons zu machen, bedeutete es zu einem bloßen hirnlosen Rädchen in einer Maschine zu machen und es seiner relativen Autonomie zu berauben.

Dies wäre nicht nur ein verwerflicher moralischer Zug, sondern es ist obendrein ontologisch unmöglich. (obwohl Diktatoren, Politiker und Ökologen nicht aufhören wollen gerade dies zu tun).

Also soziale Holons sind tatsächlich empfindsame und nicht empfindsame Holons, die bestimmte Rechte besitzen.

Alle empfindsamen Ganzheiten haben Agenz und alles Agenz hat natürliche Rechte, genauso hat jede Kommunion natürliche Verantwortlichkeit.

Alle empfindsamen Holons haben beides, sowohl Agenz (Rechte) als auch Kommunion (Verantwortung).

Alle empfindsamen Holons haben vier Quadranten, und die soziokulturellen Quadranten (Links- und Rechts Unten), die auch die politischen Dimensionen mit einbeziehen, sind unvermeidlich.

 

Soziokulturelle Quadranten

Unten links             Unten rechts
Innerlich – sozial             Äußerlich - sozial
Kulturell (Welt – Raum)             Sozial (System)
Zentaurisch (13)             Global (13)
Rational (12)             Nationalstaat (12)
Mytisch (11)             früher Staat/Imperium (11)
Magisch (10)             Stammesdorf (10)
Archaisch (9)             Stämme (9)
Typhonisch (8)             (8)
Uroborisch (7)             Gruppen/Familien (7)
(6)             (6)
lokomobil (5)             arbeitsteilige Gesellschaften (5)
vegetativ (4)             heterotrophe Ökosysteme (4)
protoplasmatisch (3)             Gaia – System (3)
(2)             Planeten (2)
physisch – pleromatisch (1)             Galaxien (1)

Agenz / Kommunion

Das Agenz, Regime, Muster oder die Form von sozialen Holons sind ebenfalls selbsterhaltend, selbstanpassend, selbsterneuernd, autopoietisch.

Merke: alle Holons sind von allen vier Quadranten beeinflusst.

Das Agenz eines sozialen Holons ist einfach das Set von führenden Mustern, die alle individuellen Mitglieder billigen, und deren Billigung die Mitgliedschaft definieren.

Es gibt natürlich verschiedene kulturelle Ebenen und somit verschiedene Ebenen der Mitgliedschaft.

Soziale Mitgliedschaft ist durch das Befolgen der Verhaltensmuster der physischen Aspekte der Mitglieder des jeweiligen Sozialsystem definiert (Rechts Unten)

Kulturelle Mitgliedschaft ist durch das Teilen der intersubjektiven Ebene von gegenseitigem Verständnis eines bestimmten abgeschlossenen Kreises definiert. ( Unten Links)

Diese Mitgliedschaft kann einfach die Gitterstruktur eines Kristalls sein (was ein soziales Holon von Ionen darstellt, wobei alle Ionen im Kristall dem Muster bzw. Aufbaustruktur des Kristalls folgen, obwohl sie in gewisser Weise einen bestimmten Grad an relativer Autonomie behalten.) oder ganz komplex, wie in einem modernen Staat mit seiner multifaktoriellen Bürokratie.

Ein individuelles Holon wird als Mitglied eines sozialen Holons betrachtet, wenn das individuelle Holon den grundlegenden Mustern oder Regeln folgt, die das soziale Holon definieren.

Ein Mensch ist daher so lange ein Mitglied einer bestimmten Gesellschaft, wie er die gegebenen Regeln eines bestimmten definierten Ganzen befolgt.

Sollte er den Regeln oder Gesetzen nicht mehr folgen, ist er ein „Outlaw“, der entweder gewaltsam aus der Gesellschaft entfernt wird oder sich selbst in Exil versetzt.

Dasselbe passiert während eines Kartenspiels. Solange ich den Regeln des Spiels folge, bin ich drin. Breche ich die Regeln, bin ich draußen.

 

Wir haben also individuelle Holons, die konstituierende Elemente von höheren individuellen Holons sind und wir haben individuelle Holons als Mitglieder von sozialen Holons.

 

In beiden Fällen müssen die individuellen Holon eine Teil ihrer Freiheit bzw. ihrer Agenz auf- bzw. abgeben, um an dem anderen Holon teilzuhaben.

Entweder an dem höheren individuellen Holon oder an dem erweiterten sozialen Holon. Aber diese Einschränkung des Agenz in einem individuellen Holon und in einem sozialen Holon sind in ihrem Grad und ihrer Art verschieden.

Im Graduellen: wenn ein individuelles Holon von einem Senior-Holon eingeschlossen wird, wird sein Agenz prinzipiell und unvermeidlich weitestgehend von dem Senior-Holon vereinnahmt. ( Nicht vollständig, jedoch weitestgehend. Die Rechte des Senior-Holons stechen auf jeden Fall die Rechte des Junior-Holons aus, und die Kontrolle wird unerbittlich vom Senior-Holon übernommen.)

 

Hierarchie

  • Alle Holons „transzendieren und schließen ein“, was die natürliche Hierarchie oder besser Holarchie begründet.

Dies ist sowohl für das „Makro-Spektrum“ richtig (, d.h. für die große Kette des Seins, in der der GEIST die Seele einschließt, und transzendiert, die Seele wiederum den Verstand (Geist) einschließt und transzendiert, und der Verstand wiederum den Körper einschließt und transzendiert und dieser dann Materie.),

  • als auch für das„Meso-Spektrum“ (d.h. Entwicklungspsychologen haben herausgefunden, dass jede Stufe der psychischen Entwicklung, die vorherige einschließt und transzendiert,
  • als auch für das „ Mikro-Spektrum“ (das subjektive Ganze des einen Augenblicks wird ein objektiver Teil des folgenden Augenblicks, und hat damit im nächsten Augenblick den vorherigen eingeschlossen und transzendiert.)

 

Ein soziales Holon transzendiert und schließt nicht individuelle Holons ein,

sondern ein soziales Holon transzendiert und schließt das vorherige soziale Holon auf der eigenen Linie der Entwicklung ein.

 

Das bedeutet, dass eine „Orange Kultur “ die Grundsätze bzw. Grundzüge einer „Blauen Kultur“ einschließt und transzendiert, die wiederum die Grundzüge der „Roten“ und so weiter, über den Weg eines sozialen Lernmechanismus.

D.h. das Innere und das Äußere der individuellen Holons tetraevolviert zusammen sozial.

Auf allen Ebenen subsumiert das Senior-Sozial Holon die entsprechenden Junior-Sozial Holons als konstituierende Elemente der höheren Struktur, aber es subsumiert nicht ihre individuellen Holons, da sie Mitglieder und nicht Elemente sind.

 

Größe

Je höher man in der Holarchie geht, desto größer werden individuelle Holons, aber soziale Holons werden immer kleiner.

Der Grund hierfür ist sehr einfach.

Da jedes Senior-Individualholon seine Juniors transzendiert und einschließt, wird es immer weniger Senior-Holons als Junior-Holons geben.

(Es wird also immer weniger Zellen als Moleküle, weniger Moleküle als Atome, weniger Atome als Quarks geben. Genauso wird es immer weniger Menschen als Säugetiere, weniger Säugetiere als Insekten, weniger Insekten als Bakterien, weniger Bakterien als Moleküle etc..)

Und weil es immer weniger der höher entwickelten individuellen Holons gibt, sind die sozialen Holons, die sich aus diesen kleineren höher entwickelten Formen zusammensetzen ebenfalls kleiner.

Zumindest kleiner als das vorherige soziale Holon.

Wenn eine Masse von Atomen zusammenkommt, entstehen Galaxien. Wenn Atome sich zu Molekülen entwickeln, und diese zusammenkommen, entstehen Planeten, die kleiner sind als Galaxien. Wenn sich Zellen aus Molekülen entwickeln, und die Zellen dann zusammenkommen, entsteht das erste Ökosystem, und dieses Ökosystem ist wiederum kleiner als der Planet auf dem es entstanden ist.

Wenn Zellverbände sich aus Zellen entwickeln und diese dann zusammenfinden, z.B. zu Zellverbänden oder Stämmen, sind diese Stämme kleiner als das Ökosystem aus dem sie entstanden. Und so weiter.

 

Individuelle Holon werden größer, soziale Holons kleiner.

Verweis: Jede weitere Stufe der Evolution erzeugt größere Tiefe und geringere Spanne

Größere Tiefe schließt mehr ein und weitet sich mehr aus – Egozentrik zu Ethnozentrik zu Weltzentrik – aber die Zahl der Holon, die eine größere Tiefe erreichen wird kleiner und kleiner.

Und hierbei besteht das eigentliche Problem.

Wenn man eine Holarchie nur auf Grund seiner Größe konstruiert, werden diese Holarchien reduktionistich und regressiv sein. Dies bedeutet aber immer weniger Tiefe. Z.B. haben wir die typischen Hierarchien der Öko- bzw. Systemtheorien gesehen, die von Atomen über Moleküle über Zellen zu Organismen zu Ökosystemen zur Biosphäre zum Kosmos gehen. Diese Hierarchien vermischen alle vier Quadranten, verwechseln individuelle und soziale Holons, reduzieren individuelle Holons zu bloßen Teilen bzw. Rädchen in einem Flachland aus Lebensgewebe, löschen innere Hierarchien vollständig aus, und enden dann damit, dass alle Holons zu Teilen eines physikalischen Kosmos reduziert werden.

Irgendwann werden Menschen wirklich die Erfahrung eines Kosmozentrischen Bewusstseins machen, aber die Zahl derjenigen, die bewusst und andauernd diese Tiefe oder diese höhere Ebene halten ist sehr gering.

Wie man sieht sind weniger als 0,5% in der Lage die türkise Ebene zu erreichen, welches die erste Ebene ist, auf der das Bewusstsein realisiert, dass „es eins mit dem Kosmos“ ist.

Menschliche Identität entwickelt sich von einer bloßen vereinzelten Organismus-Selbstidentität, zu einer Familienidentität, zu einer Identität mit dem Stamm oder der Lokalen Gemeinde, zu Nationalidentität, zu einer Globalidentität, zu einer Identität mit allen lebenden Wesen, zu einer Identität mit allen Holons.

Dies ist die Holarchie der inneren Entwicklung.

Da die Zahl derjenigen Menschen, die die höhern Ebenen erreichen immer weniger und weniger wird, werden die Senior-Holons, die sich aus diesen zusammenfinden immer kleiner und kleiner. Z.B. haben wir gesehen, dass 40% der Bevölkerung auf der blauen Ebene sind, 30% auf der orangen, 20% auf der grünen und weniger als 2% befinden sich auf einer höherrangigen (second tier ) Ebene und natürlich noch viel weniger auf der third tier Ebene.

Jeder hat die Kapazität oder das Potential sich zu den höchsten Ebenen des Seins und der Bewusstheit zu entwickeln. Größere Tiefe geringere Spanne bedeutet nicht, dass es eine natürliche Grenze für die Anzahl der Menschen gäbe, die sich so hoch entwickeln könnten, denn alle höheren Bereiche sind Möglichkeiten, die tatsächlich immer in einem menschlichen Holon vorhanden sind. Es zeigt sich aber, dass wenige Individuen die höhern Ebenen erreichen, aus dem einfachen Grunde, weil man durch alle niedrigern Ebenen hindurch muss, um die höheren zu erreichen, und viele Individuen bleiben auf einer bestimmten Ebene hängen auf Grund ihrer Wünsche, ihres Karmas oder anderer Dinge. Aber dies bedeutet nicht, dass man sich nicht bis zu dem Punkt entwickeln könnte, der der eigenen Kapazität und Intention entspricht.

Der zentrale Punkt ist einfach, beim Erstellen einer eigenen Holarchie darauf zu achten, individuelle und soziale Holons so aufzulisten, dass nicht das letztgenannte oben auf dem erstgenannten hockt und es subsumiert, sondern beide, individuelle und soziale Holons als entsprechende bzw. übereinstimmende Aspekte von empfindsamen Holons auf jeder Ebene der Entwicklung dargestellt wird.

Das ist genau das, was die vier Quadranten leisten – die beiden oberen Quadranten sind die individuellen, und die beiden unteren sind die korrelierenden sozialen Formen der Individuellen auf jeder Ebene der Evolution.